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13. Januar 2012 Drucken Drucken
Neue OZ: Lindemann warnt vor agrarindustriellen Betrieben

neue-oz_opthumbnail1.jpgFür Gert Lindemann ist das beinahe ein Heimspiel. Die Diele auf dem Hof von Milchbauer Heiner Kolkmeier nahe Osnabrück ist prall gefüllt mit Publikum, und die meisten sind Bauern. Sie wollen wissen, wie der niedersächsische CDU-Agrarminister die Chance sieht, den Markt für regionale landwirtschaftliche Produkte zu erweitern. Kolkmeiers Milchviehbetrieb ist die dritte Station der Vier-Höfe-Tour, die die Katholische Landvolk-Hochschule Oesede initiiert hat. Auch ein Auslöser für dieses Vorhaben waren die Lebensmittelskandale des Vorjahres – von Dioxin bis EHEC. Vier Höfe, vier Themen: moderne Tierhaltung und Würde der Tiere, Energiewende, die Zusammenhänge zwischen Weser-Ems-Region und Welternährung sowie – auf dem Hof Kolkmeier – die Bedeutung regionaler Produkte.

Gefragt sind an diesem Abend außer Lindemann auch der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode, der CDU-Landtagsabgeordnete Martin Bäumer sowie Manfred Hofer und Martin Kölle vom Rewe-Foodservice, das gewerbliche Großküchen in Restaurants, aber auch in Krankenhäusern und Altenheimen mit Lebensmitteln versorgt. Bode mahnt zu einem Umdenken beim Lebensstil, Bäumer warnt davor, sich an der Umwelt „zu versündigen“. Ganz so leicht wird das Heimspiel für Lindemann nicht, zumal auch das Publikum kritische Fragen stellt. „Sie reden von einer Welt, die ich als Mädchen kenne: Das sind die hübschen, idyllischen Höfe aus den Kinderbüchern“, meldet sich eine Frau. „Aber diese Strukturen sind doch systematisch in den letzten 40 Jahren zerschlagen worden.“ Die Dame kann nicht glauben, was der CDU-Minister als Vision gerade erzählt hat.

Doch Lindemann bleibt standhaft. Er wolle keineswegs eine Landwirtschaft wie vor 30 Jahren, stellt er klar. „Wir brauchen eine moderne, arbeitsteilige Landwirtschaft“, sagt er. Das sei aber keineswegs ein Widerspruch zu seiner Vorstellung von einer bäuerlichen Landwirtschaft. Denn es bedeute nicht Betriebswachstum um jeden Preis. „Wir brauchen keine großgewerblichen, agrarindustriellen Betriebe. Landwirtschaft darf man nicht Kapitalgesellschaften überlassen“, sagt Lindemann.

Ein Konflikt bereitet allerdings auch dem Agrarpolitiker Sorge: Wie sollen die Landwirte den Spagat zwischen dem Zwang zum billigen Produzieren und dem Wunsch nach Verkauf regionaler Produkte bewältigen? Eine Bäuerin schildert ihr Dilemma, als Lindemann vor einem „gefährlichen sozialen Spiel mit der Forderung nach höheren Lebensmittelpreisen“ warnt. Denn nicht alle seien wohlhabend. Sie müsse mit vielen Schweinen ihr Geld verdienen und „mit Masse an den Markt“, entgegnet die Bäuerin. „Ich will ja auch leben – und nicht nur der bedürftige Bürger, der günstig seine Nahrungsmittel kaufen will.“

Milchbauer Kolkmeier hat für seinen Betrieb mitsamt Hofladen ein Rezept gefunden: Sein Stall steht Spaziergängern offen. Wer mag, kann beim Melken zuschauen. „Wertschöpfung erreichen wir durch Wertschätzung der Verbraucher“, sagt Kolkmeier. Allerdings sei das auch nur möglich durch die Nähe zur großen Stadt Osnabrück. „Auf dem platten Land funktioniert das nicht.“

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