Martin Bäumer MdL
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19.03.2019, 10:41 Uhr
Bäumer: "Wir müssen beim Thema Phosphat bewusster hinschauen"
Phosphat ist ein unterschätzter Gefahrenstoff, der Herzinfarkte oder Schlaganfälle begünstigen, das Osteoporose-Risiko erhöhen und Haut und Muskeln schneller altern lassen kann. Vor allem in der Landwirtschaft ist der Einsatz von Phosphat sehr verbreitet. Aber auch auf anderen Wegen, wie bei Reinigungsmitteln, kann der Nährstoff in die Umwelt gelangen. Dazu wollten die CDU-Landtagsabgeordneten Martin Bäumer, Uwe Dorendorf, Axel Miesner, Frank Oesterhelweg, Laura Rebuschat und Frank Schmädeke mehr erfahren und stellten im Januar eine Kleine Anfrage an die niedersächsische Landesregierung.
In ihrer Antwort weist sie auf die verbesserte Güte der Oberflächengewässer seit den 1990er Jahren hin. Durch den Ausbau der Kläranlagen mit der sogenannten dritten Reinigungsstufe zur Elimination von Nährstoffen seien die Phosphoreinträge in die Oberflächengewässer deutlich reduziert worden.

Trotzdem erreichen aktuell 98 Prozent der Oberflächengewässer nicht den guten ökologischen Zustand bzw. das gute ökologische Potential gemäß EG-Wasserrahmenrichtlinie (EG-WRRL), schreibt die Landesregierung weiter. Dies liege aber vor allem an „den strukturellen Defiziten der Gewässer“. So seien Elbe, Ems, Weser und Rhein signifikant mit Nährstoffen belastet.

Auf die Frage von Bäumer und seinen Kollegen, wie viele Tonnen Phosphor pro Jahr als Phosphatdünger von der deutschen Landwirtschaft genutzt werden, kann die Landesregierung keine genaue Antwort geben. „Der tatsächliche Phosphatverbrauch der Land- und Forstwirtschaft sowie des Gartenbaus sind nicht bekannt“, schreibt sie in ihrer Antwort. Im Rahmen einer Düngemittelstatistik gemäß Agrarstatistikgesetz wird der Inlandsabsatz von stickstoff-, phosphat-, kali- und kalkhaltigen Düngemitteln vierteljährlich erhoben. Demnach lag der Inlandsabsatz phosphathaltiger Düngemittel im Wirtschaftsjahr 2017/18 deutschlandweit bei 208.527 Tonnen Phosphorpentoxid (P2O5).

Auch weiß die Landesregierung nicht, wie viele Tonnen Phosphor in Reinigungsmitteln eingesetzt wird. Stattdessen verweist sie auf den Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel e.V. (IKW). Dem „Bericht Nachhaltigkeit in der Wasch-, Pflege- und Reinigungsmittelbranche in Deutschland 2015-2016“ vom 31. März 2017 zufolge wurden für Verbraucher-Produkte in 2015 19.444 Tonnen Phosphate, 4.673 Tonnen Phosphonate und 195 Tonnen Phosphorsäure in Wasch-, Pflege- und Reinigungsmittel-Produkten eingesetzt.

Der Landtagsabgeordnete Bäumer ist mit den Antworten auf seine insgesamt zwölf Fragen unzufrieden. „Ich finde es sehr schade, dass zu diesem Thema so wenig belastbare Daten vorliegen“, sagt er. Phosphat ist ein endlicher Rohstoff, der in den Gewässern viele Probleme machen könne. „Vielfach wird der Landwirtschaft die Schuld gegeben, obwohl der Eintrag durch die Kläranlagen ebenfalls betrachtet werden muss.“

Gerade bei industriellen Reinigungsprozessen kommt Phosphor zum Einsatz. „Nach meiner Kenntnis entsteht durch das Waschen von Behältern in Schlachtbetrieben durch phosphathaltige Waschsubstanzen eine große Belastung des Abwassers, die in den Kläranlagen aktuell kaum aufgehalten werden kann“, so Bäumer.

Er kennt zudem Schulen, die mit phosphathaltigen Substanzen die Klassenzimmer reinigen, obwohl es dafür längst umweltschonende Alternativen gibt. „Es wird dringend Zeit, dass wir bei diesem Thema bewusster hinschauen, was alles außerhalb der Landwirtschaft in die Gewässer eingetragen wird“, ist Bäumer überzeugt. Nachdem Phosphat für Privathaushalte schon vor vielen Jahren aus Reinigungsmitteln gestrichen worden ist, müsse dies jetzt auch im Industriebereich nachgeholt werden.“

Anhang: 2019-02-22_Phosphat in Reinigungsmittel_Anfrage
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